Interview mit Prof. Dr. Hannes Schedel - Leiter der Onkologischen Klinik in Kellberg bei Passau

Prof. Dr. Hannes Schedel, Leiter der onkologischen Klinik bei Passau hat uns wichtige Fragen beantwortet, die den Zusammenhang von natürlichen Heilmethoden, Naturprodukten und dem Verhalten der Patienten mit dem Prozess der Genesung nach Tumorerkrankungen beleuchten. 

Sehr geehrter Prof. Dr. Schedel...

...was versteht man unter einer onkologischen Rehaklinik?

Eine onkologische Rehaklinik nimmt Patienten nach der Akutbehandlung bzw. der Primärbehandlung auf. Zum Beispiel nach Operationen, nach einer Strahlentherapie oder Chemotherapie. Dies nennt sich dann Anschlussheilbehandlung. Es gibt auch die Möglichkeit, dass sie eine medizinisch-onkologische Reha nach ein oder zwei Jahren nach der Erstbehandlung im Akutkrankenhaus bekommen.

...wie sieht der Alltag eines Patienten in Ihrer onkologischen Rehabilitationsklinik aus?

Der Slogan unserer Klinik lautet „Ihre Gesundheit – unsere Aufgabe“, das ist das Motto der Behandlung im Rahmen unserer Tätigkeit und der Rehabilitation. Wir können ein großes Paket für verschiedenste diagnostische und therapeutische Verfahren im Rahmen dieser Maßnahme anbieten.
Der durchschnittliche Alltag sieht so aus, dass zunächst eine Aufnahme in unserer Klinik stattfindet, das heißt ein Arzt untersucht den Patienten und legt dann fest, welche Therapien und diagnostische Maßnahmen noch erforderlich sind. Die Patienten bekommen in unserer Klinik zwischen 6-12 Anwendungen pro Tag. Dies ist abhängig von dem Zustand des Patienten, wie es ihm geht, vom Alter des Patienten und was ihm zumutbar ist. Ganz wesentlich ist das individuelle Abstimmen mit dem Patienten und auch, dass sämtliche therapeutischen Maßnahmen und die daraus abzuleitenden Ziele mit dem Patienten in einem sehr langen und persönlichen Gespräch erklärt und definiert werden.
Das Aufnahmegespräch ist in unserer Klinik mit einer Stunde definiert, da unterscheiden wir uns ganz wesentlich von der Akutmedizin, die den Ärzten dieses aus Zeitmangel in der Regel nicht ermöglicht.

...wie stehen Sie persönlich zu dem Produkt „Aronia“?

Aroniasaft trinke ich deshalb sehr gerne, weil ich von dem Produkt als solches überzeugt bin. Ich habe mich über die Literatur belesen und herausgefunden, dass die darin enthaltenen Inhaltsstoffe, sowohl die Vitamine als auch die Mineralsubstanzen, Phenole und Flavonoide einen sehr großen Mehrwert bedeuten. Das war für mich der Grund, neben anderen medizinischen Argumenten dieses Produkt nicht nur auszuwählen, sondern sogar selbst regelmäßig zu konsumieren.

Die Wirkungen, die in der Literatur angegeben sind, sind zum Beispiel entzündungshemmend, blutdrucksenkend und helfen sogar den Blutzucker zu regulieren und Diabetiker zu unterstützen. Aber auch bezüglich Tumorerkrankungen bestehen Tendenzen, die antikanzerogen, also gegen eine Tumorentwicklung wirken.

...was hat Sie dazu veranlasst, eine Aroniaplantage anzulegen?

Eine Aroniaplantage direkt bei der Klinik anzulegen kommt von dem Gedanken, dass ich selbst überzeugt bin, dieses Produkt zu mir zu nehmen und zu konsumieren. Auch andere Punkte erscheinen mir als sehr wesentlich. Die Aronia selbst ist eine sehr wetterfeste und beständige Pflanze, die in der Regel ohne Pestizide auskommt und wenig Wasser benötigt. Aufgrund dieser Vorteile spielt der Umweltschutz-Gedanke auch eine große Rolle, warum ich mich entschieden habe, nahe der Klinik eine Aroniaplantage anzulegen. Zusätzlich möchte ich den Patienten durch diese Maßnahme nahe bringen, was in Zukunft eine gewisse Bedeutung in ihrem Leben erlangen kann.

...welche Herausforderung sehen Sie bei der Anwendung neuer Naturprodukte?

Die Problematik, Naturprodukte im medizinischen oder privaten Bereich anzuwenden, liegt im skeptischen Verhalten der Schulmedizin diesen Verfahren gegenüber. Stattdessen wird die „Evidenced Based Medicine“ gefordert, das heißt es müssen immer Studien mit positiven Ergebnissen vorliegen und erbracht werden, um diese Maßnahmen und Produkte im Alltag und in der Medizin gerechtfertigt einzusetzen. Darin sehe ich eine gewisse Problematik.

...wie etabliert sind Naturprodukte in der allgemeinen Medizin?

Die Bekanntheit der Naturmedizin ändert sich in der jüngeren Gegenwart dramatisch. In der Vergangenheit wurden Naturheilverfahren kaum durchgeführt oder naturmedizinische Produkte, basierend auf Heilpflanzen und Kräutern angewandt. So gibt es mittlerweile zum Beispiel an der Charité in Berlin einen Lehrstuhl für sogenannte komplementäre und integrative Medizin. Diese Entwicklung ist wegweisend für den Gewinn an Bedeutung für alternativ-medizinische Methoden und Verfahren. Voraussetzung für eine Anwendung ist jedoch immer das Durchführen entsprechender Studien, die den Nutzen bzw. die Wirkung und den etwaigen Heilerfolg bestätigen.

...wie beurteilen Sie die Wirksamkeit von Studien im Bereich Medikamente?

Die Wirkung von Studien muss exakt analysiert werden. So werden in der Regel sogenannte Doppelblindstudien durchgeführt, um ein genaues Ergebnis zu gewährleisten. Das heißt weder der Patient oder die Person, die an der Studie teilnimmt, noch der Therapeut oder Arzt ist im Vorfeld informiert, welches Produkt verabreicht wird. Darüber hinaus muss man bei diesen Studien immer von zwei sehr wesentlichen Effekten ausgehen, die immer eine Rolle spielen. Nämlich den so genannten Placebo-Effekt, der sozusagen auch bei der Applizierung bereits gewisse Vorahnungen bei den Patienten hervorruft, der hier nicht weiß, wie dann die Wertung als Solches funktioniert. Und es gibt genauso den Nocebo-Effekt, also dass man auch genau das Gegenteil erreichen kann. Es wird in diesem Fall ein Schaden angerichtet, indem bestimmte Gedanken oder Informationen vorliegen. Prinzipiell -  wenn Studien durchgeführt werden, gehe ich davon aus, dass eine genügend hohe Anzahl an Menschen oder Patienten untersucht werden. Es macht meines Erachtens keinen Sinn, dass Studien publiziert werden, die mit 20-30 Personen durchgeführt werden, sondern man muss doch eine gewisse Mindestanzahl an Personen einfordern. Der Wert, den ich hier vorschlagen würde liegt auf jeden Fall über 100 Patienten oder Menschen, die an der Studie teilnehmen sollten.

...welche Herausforderung sehen Sie bei medizinischen Studien für Naturprodukte?

Das Problem bei der Untersuchung von Studien oder der Durchführung von Studien im Allgemeinen liegt darin begründet das diese Studien auch genehmigt werden müssen. Es gibt verschiedenste Kommissionen, die sich mit dieser Thematik beschäftigen. Und auf jeden Fall zu berücksichtigen ist der Einfluss der Industrie. Dass die Industrie im positiven oder negativen Sinne versucht, Studienergebnisse vorwegzunehmen und möglicherweise entsprechend zu manipulieren ist eine ganz große Gefahr. Logischerweise gibt es immer gewisse Interessenskonflikte bei der Durchführung der entsprechenden Studien.

...welche Möglichkeiten gibt es, das Risiko einer Krebserkrankung zu minimieren?

Um das Risiko einer Krebserkrankung zu minimieren ist es natürlich selbstverständlich, sich einigermaßen vernünftig zu ernähren, das heißt wenig Alkohol, nicht rauchen, gesunde mediterrane Ernährung. Grundsätzlich sollte man sich an folgenden drei Leitgedanken orientieren
1. Bewegen und im besten Falle Sport betreiben!
2. Gesund und ausgewogen ernähren!
3. Zeit finden, sich zwischenzeitlich zu entspannen und zu regenerieren. Die Psyche ist ein ganz wesentlicher Moment, der bei der Entstehung von Krebs nicht zu unterschätzen ist.

...inwiefern ist der Patient in eine Anschlussbehandlung integriert?

Hier möchte ich ein konkretes Beispiel schildern. Patienten, die während einer Reha oder Anschlussheilbehandlungs-Maßnahme rauchen, versuchen wir nahe zu bringen, dieses zu minimieren oder zu reduzieren. Wir versuchen dann, entsprechende Raucherentwöhnungen durchzuführen. Doch letztendlich ist jeder Patient für sich selbst verantwortlich. Die Mitwirkungspflicht im Rahmen einer Rehabilitation bzw. einer Reha-Maßnahme ist an oberster Stelle zu nennen. Sämtliche Maßnahmen funktionieren nur dann, wenn der Patient auch gewillt ist und versteht, warum er dieses oder jenes durchführen sollte oder durchführen lassen sollte. Und deshalb ist die Definition, am Anfang einer Maßnahme das Ziel mit einem Patienten zu besprechen, einer der wesentlichen Aspekte der gesamten Rehabilitierung.

...wie werten Sie den mentalen Aspekt bei einem Menschen mit Tumorerkrankung?

Der psychische und mentale Aspekt bei einer Tumorerkrankung generell betrachtet ist extrem hoch einzuschätzen. Die Psyche aufzubauen ist eine der Hauptmaßnahmen, die wir den Patienten in unserer Rehabilitation zukommen lassen. Doch auch hier ist die Mitwirkung des Patienten maßgeblich entscheidend für einen erfolgreiche Genesung und ganzheitliche Rehabilitierung nach einer Tumorerkrankung. Leider kann man die Dringlichkeit der psychischen Komponente nicht jedem Patienten nahebringen. Viele lehnen ein Gespräch mit einem Psychologen oder einer Psychologin ab. Hier können wir natürlich nur bedingt intervenieren.

...wie schätzen Sie die eigene Verantwortung des Patienten bei der Genesung nach einer Tumorerkrankung ein?

Die persönliche Verantwortung von jedem Patienten ist sehr hoch einzuschätzen. Auf einer Skala von 1-10 wird kann man diese mit einer 8-9 werten. Die Mitwirkungspflicht des Patienten ist im Übrigen auch von Seiten der Kostenträger vorgegeben. Jeder Patient hat somit die Verpflichtung aktiv an seinem Genesungsprozess mitzuwirken. Während dieses Prozesses stehen die Ärzte den Patienten unterstützend und begleitend zur Seite. Das Einfordern spezieller Verhaltensweisen des Patienten durch den Arzt ist nicht zielführend. So sollen die Ziele jedes einzelnen Patienten persönlich abgestimmt und in Zusammenarbeit mit den Ärzten und Therapeuten definiert werden. Zur Erreichung dieser Ziele bekommt jeder Patient in unserer Klinik die entsprechende Unterstützung.

...wie lange hält nach der Maßnahme die Wirkung einer Rehabilitation Ihrer Meinung an?

Erfahrungsgemäß ist es so, dass das erlernte Wissen Wochen bis einige Monate anhält. Ab dann ist es erforderlich, dass die Patienten eine Art Auffrischung für das Erlernte bekommen. Die neuen Methoden der Tele-Rehabilitation, der Tele-Medizin und der Digitalisierung erlauben es uns auch in Zukunft auf die Patienten auf diese Art und Weise zu zugehen, um ihnen eine Unterstützung zu geben. Ähnlich verhält es sich meiner Meinung nach mit Naturprodukten wie zum Beispiel Aronia. Es bereitet wenig Sinn, diese Produkte kurzzeitig einzunehmen, sondern wenn, dann sollte man doch einige Monate auf diese Produkte zurückgreifen und sie entsprechend konsumieren.